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31. März 2009 von ostprobe

gefährlich schöne Ruinen

gefährlich schöne Ruinen


Er steht am höchsten Punkt der sichelförmigen Brücke.
Er klettert über das Geländer, klemmt den Kopf zwischen seine Arme.
Er springt.

Es ist Brückenfest in Mostar. Jedes Jahr beweisen Männer aus ganz Jugoslawien ihren Mut und springen in langem Flug die 21 Meter hohe Brücke herunter. Das Wasser ist nicht wärmer als 12 Grad (selbst ausgetetstet). Unten erwartet sie ein Klatschen oder Buhen – was nicht immer mit den Punktrichtern korrespondiert, sondern eher mit ethnischer Zugehörigkeit.

Die Brücke ist ein Symbol, nicht nur für Mostar, sondern den ganzen Balkan. Sie verbindet die kroatische mit der muslimischen Seite. Als sie 1993 von den Kroaten bombardiert wurde, war auch das ein Symbol der Zeit – der Wille zur Seperation.

Heute wechseln Jugendliche ganz selbstverständlich die Seiten. Kroatische Mädchen in Hotpants stöckeln konzentriert über die von runden Wasserkieseln gepflasterte Stadt. Bosnische Jugens gehen zum Feiern in die in einer Felshöhle versteckte Disko „Ali Baba“. Dort treffen sie sich.
Nirgendowo in Bosnien und Herzigowina gibt es so viele Mischehen zwischen Kroaten und Muslimen wie hier.

„Wer sagt, er könne einen Kroaten von einem Bosnier unterscheiden, ist ein Lügner“, sagt unserer Gastmutter Tania. Sie selbst ist im kroatischen Küstenort Zadar geboren. Mit ihrem muslimischen Mann ist sie nach dem Krieg aber nach Mostar gegangen. „Mein Sohn Dino ist Muslim, aber er vergisst niemals, dass ich Katholikin bin.“

Verbinden statt Teilen, das Prinzip trägt die Stadt schon im Namen: Most bedeutet Brücke. Auch wenn sich einmal im Jahr mutige Männer davon herunterstürzen – das mulitethnische Publikum staunt unten Schulter an Schulter.

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