Friedensarbeit mit Counterstrike

Hinterlasse einen Kommentar

31. März 2009 von ostprobe

Kontaktaufnahme mit Einheimischen

Kontaktaufnahme mit Einheimischen

„Die Region ist ruhig und stabil“, sagt die Bundeswehr im EUFOR-Headquarter in Sararjevo. In Deutschland ist der Schrecken des vorletzten Balkankrieges seit langem aus der oeffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Und trotzdem gibt es noch Menschen, die sich fuer wenig bis kein Geld alle Kraft und Aufmerksamkeit in diese Gegend investieren. Fast zehn Jahre nach Kriegsende. Warum?

Unser Wagen draengelt sich aus der Dichte der Grosstadt Sarajevo. Zerschossene Hochhausfronten weichen spitzen Holzhuetten, breite Stadtstrassen gehen in kurvige Schlaglochpisten ueber. Die Landschaft sieht mit ihren blassgelben Wiesen und blattlosen Straeuchern erschoepft aus vom Winter. Als ob es einen Ausgleich geben muesste, waehlen viele Bosnier fuer ihre neuverputzten Haeuser milkalila oder karminrot. Es tut etwas weh beim Hinschauen. Vielleicht soll es das ja auch.

In dem kleine Doerfchen Krizevice endet die kontrastreiche Fahrt im grob Idyliischen. Vorgelgezwitscher, Hundegebell, Muezzin, Stille. Zwischen den Huegeln mit locker bebauten Haeusern verlaeuft die Grenze zwischen der Bosnischen Foederation und der Republik Srpska, zwischen Bosniern und Seben, zwischen alten Feinden. Unterschiede sieht man aber nicht.

Der Spaziergang fuehrt an unzaehligen Schafherden vorbei. Feuerholz vor den Haeusern und Gemuesebeete zeigen, dass viele hier Selbstversorger sind. Eine Frau bittet meine zwei Begleiter und mich zu einem Kaffee. Ihre Toechter sprechen gut Deutsch, auch sie hat von RTL und ProSieben genug gelernt um sich mit uns leicht zu unterhalten. Wir hoeren Tokio Hotel, bekommen die bosnische Variante einer Pizza, bewundern die guten Zeugnisnoten der Kinder. Auf den ersten Blick ist es eine normale Familie. Aber die Augen der Mutter zeugen von viel Leid. Fast jeder in Bosnien hat Verwandte und Freunde verloren. Musste zeitweise fluechten, lebte heute in grosser Armut. In Krizevici haben nur 10 von 3000 Menschen Arbeit.

In der erst vor wenigen Jahren wieder aufgebauten Grundschule haengt an jedem Fenster eine andere Gardine. Das Periodensystem der Elemente ist ein freihandgezeichnetes A3-Blatt. Viele Tische sind so hoch, dass Erstklaessler geradeso darueber schauen koennen. Die Gesichter der Kinder haben ihn nicht, diesen Gesichtsausdruck. Die Mutter mit der Pizza, der Schuldirektor, der Lehrer – sie alle zeigten diese Erschoepfung. Vom Krieg, von der Armut, vom Leid.

Direkt neben der Schule steht das Jugendzentrum von Schueler Helfen Leben und IPAK. Es hat keine so grelle Fassade, sondern faellt allein wegen seines Standards auf. „Die Kinder hier sind im Krieg geboren. Es ist das mindeste, was wir fuer sie tun koennen, dass sie etwas zu spielen haben“, sagt der Leiter des Hauses. Es moderne Seminarraeume fuer Tanz und Theaterworkshops, eine Diskoanlage, Billard, Satellitenfernsehen, Gewaechshauser, Deutschkurse und Computer. Einige Kinder spielen bereits wieder Counterstrike. Vielleicht ist das ein Zeichen, dass der Krieg zumindest in diesen Raeumen seinen Schrecken verliert.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: