Stille Wasser, dunkle Wälder

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31. März 2009 von ostprobe

Das seifige Wasser steht bewegungslos im Becken. Erst wenn der Wagon des Nachtzuges zwischen Zagreb und Sarajevo ruettelnd in einen der ungezaehlten Mini-Bahnhoefe einfaehrt, kommentiert es die Lauge mit einem Schwappen. Badelatschen wuenscht man sich, keine empfindlichen Lederstiefel. Oder ein stilles Wasser.

In den ueberhitzten Abteilen haben sich meine Mitreisenden ausgestreckt. Die Krawall-und-Remmidemmi-Gruppe, die Karlsruhe-Studioso-Gruppe, die laechelnden Maedchen, die Betreuer, Atze und ich. Von Dreadlocks bis Adelstitel ist alles dabei. Wodka wird lautstark geleert, Ossiwitze gerissen, Anekdoten erzaehlt, Revier markiert. Alles keine stillen Wasser.

Es ist Nacht geworden. Fast 20 Stunden sind wir unterwegs. Ueber dem Zug zischen die elektrischen Leitungen, drinnen rauchen alte Kroaten ihr Abteil mit den malzbraunen Baenken voll. In einen Wollschal gehuellt, verschwimmen die am Fenster vorbei ziehenden Waelder mit meinen Traeumen. Die Heizung blaest ihren immer heisser werdenden Atem in fremde Kehlen. Schlaf fuehlt sich wie Fieber an. Ich taste blind in die Dunkelheit. Da ist es: stilles Wasser.

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