Was ist der Kosovo?

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31. März 2009 von ostprobe

abgeschirmt

Kosovo? Das ist doch ein Krimi-Autor. Das glaube ein Berliner Jugendlicher, als er nach jenem Stück Land zwischen Mazedonien, Serbien und Albanien gefragt wurde. Vielleicht hat er ja recht.

Seine Geschichten spielen in einem kargen Land. So schroff, dass es unmöglich scheint, es zu mögen. Seine Berge sind unbezwingbare Gewalt. Seine Nächte von beängstigender Dunkelheit.

Die Tage vergehen irgendwie, aber die Nächte sind schrecklich. Wenn der Strom weggeht, weiß man nie, wie man aus dieser Dunkelheit wieder herauskommt.“

Das unaufhörliche Knattern der Generatoren bei Stromausfall betäubt die Sinne. Sie stumpfen ab, genau wie durch die immer gleichen Blockhäuser im Rohbau. Was für die französische Archiktektur der Stuck, ist hier der Backstein.

Die Geschichten des Kosovo, es sind uralte Erzählungen von Völkern und Religion, von Gemeinsamkeiten und Unterschieden, von Verzweiflung und Zerstörung und dem Glauben, auf der richtigen Seite zu stehen.

Ich habe nie Hass gefühlt. Meine Religiösität erlaubt es mir nicht, so zu fühlen. Es gibt eine gerechte Sprache, die für alle Verbrechen gesprochen wird. Die Gerechtigkeit ist langsam, aber irgendwann bekommt sie jeder.

Der Schriftsteller Kosovo ist ein alter Mann mit vielen Gesichtern. In seinen Geschichten ist er so widersprüchlich und kompliziert, dass nur wenige verstehen, worum es eigentlich geht. Ist es eine moralische Frage, wenn Albaner in Unabhhängigkeit leben wollen? Ist es eine politische, wenn Serben sich nicht ihr Staatsgebiet von internationalen Akteuren wegnehmen lassen wollen?

Wir haben erlebt, wie Häuser angezündet wurden, Menschen auf Türschwellen umgebracht oder vertrieben wurden. Acht Jahre bin ich hiergeblieben, weil ich daran glaube, dass die Gerechtigkeit siegt.“

Die Menschen, von denen der Kosovo erzählt, leben in ständigem Wandel. Sie tragen Adidas-Turnschuhe und werfen bewusstlos ihren Müll auf das „Amselfeld“. Das bedeutet übersetzt Kosovo. Ein Feld, auf dem im Frühling die Sonne Millionen Apfelblüten aufschließt. Ein Feld, auf dem die Spitzen von Moscheen wie weiße Raketen in den Himmel wachsen. Auf dem Schafe grasen und Soldaten ihr Lager aufschlagen. Es ist ein Kriegsfeld. Schön schrecklich und schrecklich schön.

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