Unterwegs mit den Backstreet Boys

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16. April 2009 von ostprobe

Nachts in Skopje

In Skopje kann ja so viel passieren. Wildgewordene Roma-Kinder reissen an Maenteln und Taschen, wildgebliebene Hunde streunen durch die Strassen. In der Touristenabsteige wird darueber debatttiert, welche Viertel wann zu meiden sind und wie die aktuellen Kirminalitaetsstatistiken mit den abendlichen Ausgehplaenen vereinbar sind.
Die Regierung, von einigen internationalen Beobachtern als „totalitaer“ attributiert, hat im vergangenen Jahr eine Prohibition verhaengt. Ab 19 Uhr darf kein Alkohol mehr in Laeden verkauft oder auf der Strasse getrunken werden.
Solche Geruechte und Gesetze sind Grund genug, eine Nacht in die Hinterstrassen von Skopje abzusteigen.

Idealer Reisefuehrer durch die Nacht ist Ludo, der Koenig der Strasse. Seit uebe 10 Jahren hat er jede Ecke mit seinem Skateboard auf Tauglichkeit ueberprueft und gilt damit als Begruender der mazedonischen Skaterszene. Fuer die Jugend ist er Vorbild und Vormund in Sachen Streetcredibility. Als wir uns treffen, ist er mit einem sympathischen Lockenkopf mit Sprachfehler und einem Mini-Skaterboz unterwegs, der aussieht wie der Junge aus dem RunDMC-Video.
Es faengt an zu nieseln als wir aufbrechen. Es ist eine wolkige Nacht, der Verkehr hat sich bereits auf ein Minimum (Taxis, Polizei, Nachtarbeiter) reduziert. In einem Kiosk am Strassenrand kaufen wir Bier in 2-Liter-Plastikflaschen – unter der Ladentheke. Um es zu trinken, ziehen wir uns zunaechst in einen Keller zurueck, dessen Eingang hinter einer Plastikplane versteckt liegt. In ihm steht ein kurzgeschlossener Spielautomat, ein Kicker und ein Billardtisch. Ein kauziger Alter hat den Rueckzugsort fuer Jugendliche eingerichtet und verdient sich mit ein paar Denar, die er fuer Cognac und Internetnutzung einsammelt, etwas dazuverdient. In seinen zauseligen Bart nuschelt er den deutschen Satz „Langsam, aber sicher“, und es bleibt unklar, ob er das nur aufgeschnappt hat oder seinen jungen Gaesten etwas Orakelhaftes mit auf den Weg in die Hinterstrassen geben will.

Wir ziehen weiter in Richtung Stadtpark. Von wilden Roma keine Spur. Aber ein Rudel Hunde kommt angewetzt. Die Jungs bleiben cool, reden mit ihnen, beschuetzen sie als ein Auto keine Ruecksicht nimmt. Spaeter erfahre ich, dass die Skopjer mit ihren Strassenkoetern ein freundschaftliches Verhaeltnis pflegen. „Hallo Sukizo, na wie gehts? Komm, lass uns was trinken!“ Und der Hund kommt mit, bleibt fuer einen Drink und danach geht man wieder getrennte Wege.
Ja, in Skopje kann etwas passieren. Aber langsam und sicher.

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