Persoenlicher Zwischenruf

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22. April 2009 von ostprobe

ANGST. Der ewige Begleiter:
Angst vor der Zukunft
Angst vor Herausforderungen
Angst vor der Wahrheit
Angst vor Verlust
Angst vor eigenen Anspruechen.

ANGST. Das ewige „Davor“:
drueckt die Kehle zu ehe etwas passiert
laehmt die Glieder ohne den Weg zu kennen
friert die Zellen ein bevor die Eiszeit hereinbricht
trocknet den Mund ohne ein Wort gesprochen zu haben.

ANGST. Die ansteckende Zivilisationseuche:
konformiert das intellektuelle Prekariat
zerfrisst die Kuehnheit der Jugend
toetet den Mut.

Ich habe keine Lust auf diese Angst. Ich will sie loswerden. Darum habe ich habe meine Wohnung aufgegeben und meinen Besitz auf einen Rucksack reduziert. Einen Rucksack voller Traeume – wuerde Heinz Erhardt singend kommentieren.

Und viele davon sind wahrgeworden: ein stilles Gebet zur orthodox-oesterlichen Mitternachtsmesse und anschließender Tranceparty auf einer mazedonischen Berghuette. Ein Fruehlingsspaziergang mit einem Roma-Maedchen und ein Fruehstueck mit einer albanischen Kuenstlerfamilie. Eine persoenliche Vorstellung des VIP-DJs Zoki Bebe in einem Gartenzelt, eine Reise in die homosexuelle Clubszene.

So viele wahre Traeume – aber kein Rucksack mehr!
Er wurde geklaut. Komplett. Mit allem. Einfach aus dem Hotelfenster herausgehoben. Drei Stunden bevor ich meine naechste Sequenz in meinem balkanesischen Fear-and-Loathing in Las-Vegas-Roadmovie aufbrechen wollte, faellt eine andere Klappe:

Polizei, Protokoll, Passport.
Revier, Rohputz, Renovierungsbeduerftig.
Eigenrecherche, ein Hinweis, erste Funde.
Kosmetika, Kabel, Kartenmaterial.
Spielplatz, Spurensicherung, spontane Reisenroutenaenderung.

„Sei aengstlich!“, sagt meine Mutter am Telefon. Sie bittet mich darum. Aber deswegen bin ich nicht losgefahren.

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2 Kommentare zu “Persoenlicher Zwischenruf

  1. Eric sagt:

    Meine liebste Greta,

    Angst ist gut und wichtig. Ängstlich-sein macht uns hingegen schwach. Halte durch – alles wird gut.

    Eric

  2. E. sagt:

    Meine Einzige,

    nicht ängstlich sollst du sein, sondern vorsichtig. Es gibt auch böse Menschen die da sein müssen, um das Gegengewicht zu bilden, das, was du in feindlichen Nachbarn, Dieben, Lügnern etc. bereits kennengelernt hast. Du bist so unerschrocken, sprengst fast das Zumutbare für eine junge Frau, forderst dich bis an die Grenzen der Erträglichkeit.
    Ja, ich weiß, die Er-fahren-heit birgt einen unschätzbaren und
    lebenslangen Reichtum, den ich dir von Herzen gönne.
    Aber bitte verstehe auch meine Angst um dich.
    Bleib neugierig, aber wachsam!
    Ich wünsche dir, noch ganz viele weise und warmherzige Menschen auf deiner Reise zu treffen.

    Deine Mama

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