Ich bin eine arabische Prinzessin, lebe aber auf Sylt

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24. Juni 2009 von ostprobe

in for the chill

Wir Reisende sind so reich. Jeden Tag werden wir beschenkt mit dem Schoensten und Suessesten und Besten. Neben den Unmengen von schwarzem Tee in kleinen Glaesern, die uns an jeder Stelle angeboten werden, an der wir laenger als eine Minute stehen bleiben, sind das vor allem die offenen Gesichter und freundlichen Fragen der Menschen. Nicht, um uns anschliessend einen Teppich zu verkaufen, sondern weil das Wort „Alemania“ bei manchen so unwirklich paradiesisch klingt, als wuerde zu uns jemand sagen: „Ich bin eine arabische Prinzessin, lebe aber auf Sylt“. Selbst wenn es keine gemeinsame Sprachen gibt, mit denen man sich die verplaudern koennte, fuert das Schluesselwort „Alemania“ entweder zu ekstatischer Scharade oder einer freudigen Spannung, die sich zusammen mit dem Tee im Inneren warm ausbreitet.

the first thing you get, the last thing you can deny

Die letzten Tage haben wir am Schwarzen Meer verbracht, wo es zwar weniger Sonnentage als an der Suedkueste in Alanya gibt, dafuer aber auch keine mitteleuropaeischen Touristen, die auf reservierten Liegen ihren Sonnenbrand zum Neckermanntarif pflegen. Stattdessen haben wir in Amasra auf der Dachterasse mit dem Hotelbesitzer gefruehstueckt und neben dem Brotkorb auch seine politischen und oekonomischen Ueberzeugungen geteilt („I Social Democrat in sitty“, „I built five houses“, „I am a big man“). Und danach an kleinen feinen Straenden Buecher gelesen und Burkini-Designs muslimischer Badenixen bewundert.

nicht nessi, sondern die religioes korrektes badevergnuegen

In Trabzon, einer groesseren Stadt unweit der iranischen Grenze, haben wir zwischen den Kulturausfluegen zu den byzantinischen Ueberresten christlich-orthodoxer Kultur in der Tuerkei Backgammon gelernt – an einem kniehhohen Tisch mit vier alten Maennern und natuerlich mit Tee.

Doch die groesste Aufwartung empfing uns in einer kleinen Provinzstadt im Landesinneren der Tuerkei, dort wo die Gebiete der Kurden beginnen. Ringsum liegen schroffe Berge, in deren fruchtbaren Taelern hauptsaechlich Aprikosen und Weizen angebaut werden. Weil der Meereswind fehlt, steht die Luft bei 39 Grad ueber den klotzigen Haeusern. In Adyaman, einer Stadt ohne wirkliche Sehenswuerdigkeiten, sind Fremde eine willkommene Abwechslung. Der Bruder eines Mitreisenen laed unser Gepaeck in sein Auto und sucht mit uns das guenstigste Hotel, ein Kebab-Budenbesitzer bestellt nach einem fuerstlichen Mahl den Fotografen des Ortes, damit wir – genau wie der Programmdirekter des Lokalfernsehens und ein glatzkoepfiger Senator – ein Bild an der Ehrengaestewand bekommen. Danach bekommen wir Saft von jungen kurdischen Maennern, die in einem kleinen Zeichenatelier junge kurdische Frauen in Hosen malen. Schliesslich schliessen wir auf unserem Nachhauseweg Freundschaft mit einem 13-jaehrigen Pfiffikus, der ein paar Brocken Schulenglisch an uns ausprobiert. Mit jedem Meter schliessen sich mehr Kinder jeden Alters an und wir haben bald das Gefuehl, Teil einer Jugendbewegung zu sein.

ja, es ist ein klischeebild

Immer mehr werden es, mit denen wir „What’s your name?“ ueben bis ein kleines wildes Maedchen auf uns zukommt und geeiste Colagetraenke in die Haende drueckt. Wir sind vollig verduzt, weil sie mit grossen Gesten und hektischen Schritten sofort wieder verschwindet, sodass ihre straenigen Haare dabei wippen und die Ledertasche am Arm zu schlenkern beginnt. „Monkey!“ rufen ihr die Jungens nach. Einige Minuten spaeter hastet sie wieder auf uns zu, winkt, dass wir ihr folgen sollen, was wir tun bis wir in einem dreckigen Innenhof stehen. Sie zeigt auf einen dunklen Eingang eines Hauses, der in den Keller hinab fuehrt. Ein schlechtrasierter Mann mit Kugelbauch bedeutet uns, dort hinabzusteigen und immer mehr Kinder und Jugendliche und Erwachsene mit aehnlichen Gesichtszuegen schauen uns erwartungsvoll an.

Wir klammern uns an unserer Eis-Cola fest und fuehlen uns komisch. „Spazieren“ und „Sonne“ sagen wir und machen Handzeichen. Aber die Sonne wird immer heisser und das Spazieren mit der Kinderhorde immer anstrengender. In der Ferne sehen wir unser Hotel. Sollen wir fluechten und uns in der kuehlen Lobby verstecken? Was koennen wir den Kindern mehr geben als einen Beutel Kirschen und winkende Verabschiedungen? Wie sollen wir reagieren als das wilde Maedchen spaeter beim Portier eine Flasche Wasser fuer uns abgibt?
Wir Reisende sind so arm!

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2 Kommentare zu “Ich bin eine arabische Prinzessin, lebe aber auf Sylt

  1. rico sagt:

    hola ihr lieben,
    euch geht es ja gut im morgenland. schleicht ihr euch noch über die iranische grenze? freue mich über kommende hitlerpussies & hamamgeschichten!

  2. Hezil sagt:

    hallo ich bin Hezil 13 jahre alt ich sollt sie von meinen bekannten ihn
    in syrien grüßen denn sie waren bei ihn ..
    ich soll von ihn sagen das es toll war das sie da waren und es spaß gemacht hat . ich wohne ihn vissel sie haben mir gesagt das sie bei ihn waren und sie haben mir gesagt wen ich fragen hab sollte ich sie fragen es wehre toll wen sie mir ein paar fragen beantworten .

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