Wir und Al-Jazeera

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12. Juli 2009 von ostprobe

al djazeera im besten sinne

So sieht also Dynamit aus. Die weissen Stangen in ihren zerfetzten Saecken zu entdecken, war nicht einfach. Ein Boot mieten, dessen Farbe so beschaedigt ist, wie das Gebiss des Fahrers. Eine Stunde ueber die tuerkisblauen Wellen wippen, im Ruecken die libanesische Stadt Tripolis. Ein Kopfsprung vom Boot. Ein Ausweichmanoever vor herannahenden Quallen. Eine Klettertour ueber die rutschigen Felsen des Riffs. Und dann lag der Sprengstoff einfach so da. „Den benutzen die Fischer illegalerweise zum Fischfang“, sagt der Fahrer und zeigt die faulen Zaehne, weil er sich so freut uns seine Al-Jazeera-verdaechtige Enthuellungsgeschichte offenbart zu haben. Wir sagen „mir“ (gut) und „mashala“ (supertoll) wie wir es so oft zur Freude der Einheimischen tun und klettern ueber die rostige Leiter wieder auf das Boot und wollen weiter bevor es irgendwo illegalerweise knallt.

Der Fahrer tuckert zur naechsten Insel, wo er – seinem begeisterten Gesicht zufolge – noch mehr Spektakulaeres seinen blonden Gaesten zeigen will. Er hebt die Handflaechen an den Hinterkopf und nickt heftig. Wir gehen auf Kaninchenjagd!
Das Boot legt am Strand einer fast verlassenen Insel an. Nur ein braungebrannter, stummer Mann mit blauen Augen und Badeshorts lebt dort und beobachtet nach eigener knapper Aussage Voegel. Wir haben ihn Freitag getauft. Er schlaegt die stacheligen gruenen Palmenzweige zur Seite und fuehrt uns ins Innere der Insel. Trockene dunkle Noerbel zerdruecken unter unseren Badelatschen, was den Bootsfahrer wieder zur Hasenohr-Geste verleitet. Hinter einer fast antiken Wasserpumpe mit Windrad findet Freitag, wonach er gesucht hat. Er winkt uns mit seinen kraeftigen Armen heran und zeigt auf ein Stueck lebloses, weisses Fell mit Hasenpfoten, das wohl schon seit geraumer Zeit im staubigen Sand liegt. Wir schaffen es diesmal nicht die automatische Lobeswoerter-Abfeuerung zu aktivieren und fragen stattdessen nach dem Rueckweg.
Dieser endet an einem weissen, weichen, menschenleeren Strand, wo das klare Wasser sich in kleinen Wellen am Ufer kraeuselt. Wir breiten die Handtuecher aus und fuehlen uns mashala. Das war die Al-Jazeera-Entdeckung, nach der wir gesucht haben. Denn Al-Jazeera heisst uebersetzt „die Insel“.

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2 Kommentare zu “Wir und Al-Jazeera

  1. sebastian sagt:

    mashala 😉

    Schön von dir zu lesen, und dann noch sooo schöne texte. den mit dem Hund kann ich ja immer noch nicht vergessen. Toll…

  2. a-films sagt:

    Wir haben neulich zwei neue Kurzfilme zur gegenwärtigen Lage im komplett
    zerstörten Flüchtlingslager Nahr al-Bared im Nordlibanon veröffentlicht. Zwei
    Jahre nach dem Krieg in Nahr al-Bared kommt der Wiederaufbau nicht voran
    und die libanesische Armee blockiert nach wie vor den Zugang zu weiten
    Teilen des Flüchtlingslagers, während 30.000 Menschen auf ihre Rückkehr
    warten.
    Die beiden Kurzfilme können unter den folgenden Links angeschaut und
    heruntergeladen werden:
    http://a-films.blogspot.com/2009/06/110609de.html
    http://a-films.blogspot.com/2009/06/240609de.html

    a-films begleitet seit zwei Jahren die Flüchtlinge Nahr al-Bareds. Wir
    haben dazu zahlreiche Kurzdokus und Reportagen publiziert, welche hier
    abrufbar sind:
    http://a-films.blogspot.com/search/label/fl%C3%BCchtlingslager%20nahr%20al-bared

    Mit besten Grüssen

    a-films

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