Das Drama von Palmyra

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28. Juli 2009 von ostprobe

Schon wieder ein Sonnenuntergangsbild. Wir versprechen: es war vielleicht sogar der Letzte im Blog.

Ein Schauspiel, ein Schauspiel! Gerade erst haben wir den dudelnden ruckligen Wuestenexpress verlassen und unser Quartier auf dem Dach eines Hotels inspiziert, da lockt der geschaeftstuechtige Hotelier schon mit dem wichtigsten Must-See der Wuestenstadt Palmyra. Heute sei die Vorstellung sicher ganz besonders gut, das Wetter ist ideal, die Protagonistin bester Laune, Allah gnaedig.

Vor dem Hotel wartet bereits der weisse Mercedes mit goldbezahntem Fahrer, der uns in landestypischer Jalla-Jalla-Manier (schnell, schnell) zum Naturtheater bringt. Das Entgelt wird er sich spaeter mit dem geschaeftstuechtigen Hotelier teilen. Auf dem Berg steht in stolzem Abendlicht die Zitadelle, ringsum tappen Maenner in Wuestenkleidung, um deren Handgelenk Steinperlenketten haengen, die beim Passieren einer Touristin reflexartig auf Augenhoehe angehoben werden. Andere Haendler setzen auf innovativere Marketingstrategien, zum Beisiel die feilgebotenen Baumwolltuecher als Luemmelkissen benutzen oder das lautenaehnliche Streichinstrument nervenaufreibend selbst bespielen, so dass alle Besucher einen grossen Bogen machen muessen und direkt beim Luemmelkissenmann landen.

Das Publikum sammelt sich auf den Raengen. Saubere Leinengewaender flattern im Wind, manche tragen sogar Schal oder Hut. Es wird mehr fotografiert als geguckt. Und der Wuestenwind traegt die spanischen, italienischen, deutschen, japanischen, englischen, polnischen Kommentare ueber das ruecksichtslose touristenhafte Benehmen – natuerlich immer der anderen – ueber die sanften Huegel. Im Tal ruhen die Ruinen der Tempelstadt, an denen der Zahn der Jahrtausende weniger genagt hat als der dauerhafte Sandschmirgelwind vermuten liesse.

Waehrend Euroline-Busse immer mehr Publikum aus dem klimatisierten Schlund ausspeien, hat die Vorstellung laengst begonnen. Die Sonne sinkt in kaum merklichem Tempo auf den Horizont zu und gewinnt mit jeder Minute an Form. Als goldene Kugel setzt sie sich auf die umwehten Duenen, in denen sie schliesslich im wie Treibsand verschwindet. Applaus von Eurolines fuer dieses aelteste Drama der Welt, dass hier gezeigt wurde. Der Kampf zwischen Mond und Sonne, Tag und Nacht, Hell und Dunkel. Es wird und es ist hier in Palmyra jeden Abend ausverkauft.

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3 Kommentare zu “Das Drama von Palmyra

  1. staun&wunder sagt:

    …….also nicht nur bei Capri, daß die „Rote Nonne…“
    und was habt Ihr dabei gesungen ??
    Bitte als Hörprobe mal etwas Originales zu den anderen Sinnlos-Andenken packen.
    Danke für die reizende Impression. Weiter viel Spass und …

  2. jona sagt:

    Krass, als wir vor 2 Jahren da waren, war ganz Palmyra Touristenfrei und sicher eins der tollsten Erlebnisse der Reise.

  3. Bjoern sagt:

    zu fuss gehen und den berg hochstiefeln war noch abgefahrener, denn da bin ich fast wieder runtergefallen 😉

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