Brief an die arabische Maennerwelt. Eine Polemik.

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31. Juli 2009 von ostprobe

ihr sollt in die Kamera gucken, und nicht ins Dekoltee der Fotoassistentin

Lieber arabischer Mann,

wir muessen reden. Seit zwei Monten kennen wir uns nun schon. Wir sind zusammen Taxi gefahren oder haben Tee getrunken, sind wortlos aneinander vorbeigelaufen oder haben bei einer Wasserpfeife geplaudert. Und je mehr ich dich in dieser Zeit kennengelernt habe, umso mehr bin ich zu der Gewissheit gelangt: Ich kann dich nicht leiden. Du machst mich krank. Treibst mich zu ungekannten Aggressionen. Treibst mir Ekelpickel ins Gesicht.

Ich wollte es ignorieren, dass du mich unverschaemt anstarrst. Dass du dein Gespraech unterbrichst und auf mich zeigst. Dass dein Starren von Erstaunen langsam in Geilheit uebergeht. Dass du mit deinem Handy Fotos von mir machst, weil mein Kleid doch tatsaechlich eine Huefte, einen Hintern, eine Oberweite verraet und nicht wie die ueblichen Muslima-Gardinen alles Koerperliche negiert.

Ich wollte vergessen, wie du unter dem Vorwand, ein Foto mit mir haben zu wollen, mich an deinen vor Erregung zitternden, schwitzenden Koerper drueckst, schwer in mein Ohr atmest und deine Hand auf Koerperteile legst, die dort sonst hoechstens in deinen verbotenen Fantasien hinkommen.

Ich wollte verdraengen, wie du unter dem Vorwand einer Massage vor den Augen meines Freundes unter mein Kleid griffst und deine schmutzigen Haende ueber mein Gesicht und Dekolltee rubbeltest.

Ich wollte verstehen, dass all das ja nur das Ergebnis einer unterdrueckten Sexualitaet ist. Dass du ja nicht Taeter, sondern Opfer bist einer sinnesfeindlichen Gesellschaft, deren allumfassende Unterdrueckung als einzige unkontrollierbare Revolte die ausgebeulte Hose kennt.

Ich wollte dir glauben, wenn du sagtest, dass deine unemanzipierte Frau dich „immer hungrig laesst, egal wie viel es zu essen gibt“.

Ich wollte im Geiste die Frauen verantwortlich machen, dass sie dir nicht die schwarzen Handschuhe, den Schleier, das Kopftuch, den Mantel vor die Fuesse werfen. Dass sie ihre Klugheit und Schoenheit so verkuemmern lassen, um dir zu gefallen.

Aber ich kann nichts davon.
Stattdessen waechst in meinem Inneren eine Frucht des Zorns, die mir jedem gierigen Blick eines Taxifahrers in seinen Rueckspiegel groesser wird und sich mit jedem schmierigen Geschaeftemacher, der seinen nutzlosen Schund zu unverschaemten Preisen anbietet und danach „Welcome to Syria“ sagt, in hitzige Aggression verwandeln kann.

Ich will dir nicht mehr die Hand geben, weil du auf keiner Toilette Papier benutzt.
Ich schlafe in jedem Hotelbett in meinem Schlafsack, weil es zum Zudecken nur Ueberdecken gibt, in die wer-weiss-wieviele hineingerubbelt haben, wenn sie ein Touristinnenbild auf dem Handy hatten.
Und ich senke den Blick auf der Strasse, damit du dich zu nichts ermutigt fuehlst. Und nicht in meinem Augen lesen kannst, wie wenig ich dich leiden kann.

Nicht-deine Greta

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4 Kommentare zu “Brief an die arabische Maennerwelt. Eine Polemik.

  1. Andreas sagt:

    Ist es tatäschlich so, dieses Bild? Das klingt bedrückend.

    • ostprobe sagt:

      Keine Angst, Andreas, Maenner werden hier nur begrabbelt, wenn sie ‚habibis‘ sind – also gute Freunde.

  2. Cammy sagt:

    Schade, wenn das Ergebnis einer Reise so einseitig ausfällt – und so ungerecht.

  3. ostprobe sagt:

    Bitte nicht falsch verstehen: der Text ist ein Zwischenruf einer Entnervten gewesen. Nicht das Ergebnis der Reise! Aber einseitig ist er, das stimmt. Darum steht ja auch POLEMIK drüber.

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