Forever Young oder Wie ich wieder zum Teenager wurde

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9. April 2010 von ostprobe

Ich habe das nie vermisst. Mich nie dahin zurueck gesehnt. Keine nostalgischen Bilder im Kopf bewahrt. Es war einfach etwas, wo jeder einmal durchmuss und sich sowieso nicht entziehen kann. Als ich irgendwann gemerkt habe, dass es wohl vorbei ist, war ich diffus erleichtert und lebte richtig los. Dann aber war sie ploetzlich wieder da: die Teenager-Zeit.

Meine Reisegruppe, die ich dieses Jahr durch Bosnien und Serbien geleitet habe, bestand aus 20 Heranwachsenden, die wie ein Panoptikum der Pubertaet waren: Die Jungs hatten staendig Hunger, die Maedchen kicherten im Hochfrequenzbereich. Aufstehzeiten waren fuer beide Geschlechter stets zu frueh veranschlagt, was bei einigen wohl auch mit den ersten alkoholischen Annaeherungsversuchen zusammenhing.

Es war ziemlich lustig, sich das so anzuschauen. Aber wenn man 10 Tage Hostelzimmer, Busbaenke, Cevapi-Brote und neue Erfahrungen teilt, muss man sich irgendwann entscheiden: Bin ich die betreuende Tante oder die helfende Gleichgesinnte?

Die Antwort begann in meinem Gesicht. Als ob ich von einem unerforschten Pubertaetsvirus erfasst worden waere, poppten die ersten Pickel auf. Meine Mitreisenden waren auf solche Druesenreaktionen mit ausreichend Clean+Clear-Produkten vorbereitet. Ich aber glaubte anfangs noch an voruebergehende Haut-, Hormon- oder Kulturirritationen angesichts fremder Kopfkissen, des Fruehlings oder Bosniens.

Dann aber ertappte ich mich dabei, wie mir ungewoehnliche Fragen im Kopf herumgingen: Gibt es eine „coole Gruppe“ in der Gruppe? Gehoere ich dazu? Habe ich meinen Ausweis fuer den Clubbesuch dabei?

Die Tage vergingen und ich liess mich ein. Schlief mit der Jugend Seite an Seite bei langweiligen Vortraegen ein, beteiligte mich an merkwuerdigen Spielen, wo man sich wie ein Affe schuettelnd um die eigene Achse dreht, und trieb wilde Wer-mit-wem-Spekulationen voran. Die Tatsache, dass auch ich Objekt solcher Tratschereien wurde, weil ich mit einem jungen Greifswalder ein echtes Gespraech fuehrte und mit ihm separat zum Abendessen losschlenderte, besiegelte den Assimilationsprozess. Ich war zum Teenager geworden.

Mittlerweile ist die Gruppe wieder in die Heimat geflogen. Ich erschliesse mir nur wieder die Ecken des Balkans allein. Meine pubertaeren Gesichtsblueten verwelken langsam, im Kopf ist wieder Platz fuer Erwachsenenfragen.
Und da faellt mir auf, dass ich sie vermissen werde. Nicht meine Teenager-Zeit. Aber doch zumindest diese Teenager.

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Ein Kommentar zu “Forever Young oder Wie ich wieder zum Teenager wurde

  1. fabi. sagt:

    schön gesagt, liebste greta (: und wir haben dich gern in unseren reihen aufgenommen -als sozusagen coolster teenie der gruppe. auf bald (:

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