Eine Erinnerung in Einsilbern

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10. April 2010 von ostprobe

Es ist ein Tag, an dem mehr Schluss ist als Start. Das Team ist weg, die Stadt in weiss liegt jetzt in grau, das Geld wird knapp. Ein Brot ist drin, Saft und Obst auch. Der Rest geht fuer den Zug drauf, der erst spaet faehrt. Im Blut schwirrt noch der Schnaps der Nacht und drueckt bis in den Kopf. Der Schritt ist schwer und lahmt bei jedem Berg. Jetzt noch was fuer den Job tun und die Lust ist ganz hin. Da kommt doch nichts mehr! Was soll da schon noch gross sein?

Er stellt mir den Tee auf den Tisch. Milch ist schon drin. Heiss und suess steigt der Dampf aus dem Glas auf.
„Rauchst du?“, fragt er und geht schon mal raus.
„Ich muss was tun, hier drin am PC.“
Doch da ist er schon weg und ich geh mit, weil ich nett sein will. Der Tee ist ja auch ganz gut und so. Es faengt ein Plausch an: Was machst du, wie heisst du, wie geht es dir so? Ich weiss nicht, ob ich auf so was jetzt Bock hab. Was will der Typ denn? Bleibt wohl nur Flucht.
„Du, ich geh dann mal raus. Zum Zug und so, wann der faehrt und wie viel das macht.“
„Na da komm ich mal mit. Du brauchst da wen von hier.“

Am Gleis ist es voll. Mensch, Hund, Rauch, Laerm sind eins. Er lotst mich durch und spricht mit der Frau hinter Glas, die schlecht drauf ist. Er scherzt, sie laechelt. Ich geb das Geld und bekomm den Schein fuer den Zug. Eis bricht.
„Da ist ein Platz hier in der Stadt, der mir hilft, wenn es mir nicht gut geht“ sagt er und trabt los. Am Fluss lang, an dem Boot an Boot liegt mit Bars drauf. Das Licht der Stadt bricht sich im Nass. Ein Weg im schwarz der Nacht liegt vor uns, dann ein Berg mit Lampe, dann kommt die Bank.

Sie ist wie ein Thron im Nichts. Ein Ast beugt sich vor ihr bis er das Gras trifft. Der Smog der Stadt sinkt weg ins Tal. Ein Hund schmiegt sich an den Fuss, der noch so klein ist, dass ich es mag. Dann hebt der Typ noch mal an, denkt laut, spricht aus. Es ist kein Plausch mehr, weil jetzt Boell und Grass und Kant ihm das Wort leihn. Kann das sein? Ist das wahr? War ich blind, kalt, dumm? Es war wohl die Gier nach was, dass den Tag gross macht. Und wie so of ist das: Klein.

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3 Kommentare zu “Eine Erinnerung in Einsilbern

  1. Kamaliza sagt:

    EIN KLUGER PESSIMIST

    Liebe Greta,

    ich folge dir ab und an auf deinem Blog.. Weißt du, woran ich da gerade denken muss,.. Vor ein paar Monaten habe ich in Leipzig einen arabisch-australischen Mann getroffen. Er hat in Harvard studiert und sitzt jetzt als politischer Berater im Irak. Nettes Gespräch und so, ich wollte ihn ausquetschen, Inspirationen haben, Visionen teilen.. aber er hat mir nur einen Satz wiederholt… „whatever you do, whomever you meet: its all about money or honey“.. Vergiss es nicht, wenn du auf Reisen bist!!!

  2. staun&wunder sagt:

    Das Leben schreibt die besten Geschichten:
    Da habe ich von der „ostprobe“ einfach auch einen EXKLUSIV-Bericht über Vulkanstäubchen und deren Auswirkungen auf das sensible Gemüt von West-Europäern und deren Technik erwartet. Na, kommt vielleicht noch, im Abgesang oder im “ Großen Schmerz“ des wieder im südschwedischen Dunst/ Regen „gelandet“ zu sein.

    Ein erfreuliches “ Wiedereintreffen“ wünsche ich ……

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