Wie ich in eine kosovarische Pornosauna geriet

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26. April 2010 von ostprobe

„Es geht immer um Honey oder Money“, stand auf diesem Blog hier letztens in einem Kommentar. Wie wahr dieser Ratschlag ist, offenbarte sich mir an einem Samstag abend in Pristina.

Der Rausch der letzten Nacht hatte gerade nachgelassen und die Suche nach einem möglichst entspannenden Ausgleich begonnen. Wir saßen im Apartment meiner Vulkanwolken-Interims-Eltern Rina und Leo, nippten türkischen Kaffee und Cognac im Wechsel und beschlossen die Nacht in einem Schweizer Wellness Center zu beginnen. Eine halbe Stunde außerhalb der kosovarischen Hauptstadt stand der blaue Glaswürfel, vor dem gerade ein Außenbecken und ein Spielplatz gebaut wurde. Davor parkte eine Reihe teurer, schwerer, schwarzer Wagen. Drinnen war das Personal – falsche Blondinen zumeist – in kurze rote Flatterröckchen und weiß-rot-gestreifte Tops gekleidet. In einem abgetrennten Raum saßen einige Männer in Bademänteln, spielten Domino und rauchten bis das Separée von außen wie eine Dampfsauna aussah. Auf mehreren Flatscreen-Bildschirmen lief Fußball.

Ich beschloss, zunächst ein paar Runden zu schwimmen, um in der Sauna später von einem wohlig müden Gefühl übermannt zu werden. Doch schon während der ersten Bahn kam Bewegung ins Becken. Männer aller Altersklassen köpften in den Pool, tauchten, spritzten, juchzten. Jeder, so schien es, hate seine eigene Aquirierungsstrategie um Aufmerksamkeit. „Jede Menge Krokodile hier“, sagte Rina und bevor noch eines zuschnappte, verließ ich das Becken in Richtung Dusche. Der hellblaue Vorhang mit Wolken darauf war stets zu kurz um die Kabine lunzsicher zu machen und das Wasser so kalt, dass es jedem Duschenden nur unter Stöhnen gelang, der Temperatur Stand zu halten. In den Nebenkabinen spielte sich ein wahres Konzert aus „Uuhs“ und „Aahs“ ab. Vor der Kabine hielten die Krokodile schon wieder eien Versammlung ab, in der es offensichtlich darum ging, wie man richtig eine nasse Badehose zurechtrüttelt und -schüttelt.

All das hätte mich stutzig machen können, ob das hier wirklich Badevergnügen für die ganze Familie ist, wie der Spielplatz suggerierte. Ich öffnete die Glastür zur Steinsauna. Mehr noch als die Hitze schlugen mir zwei Tigertangas entgegen, die sich am Ender der langen Beine einer Brünetten und einer Blonden erstreckten. Ich fragte mich gerade, wie viel Ironie wohl in der Kleiderwahl war, da öffnete sich die Saunatür erneut und zwei Krokodile kamen herein. Ein alter mit grauem Brusthaar begrüßte die Damen mit professionellem flüchtigen Handschlag. Der Junge mit Blinker-Ohrstecker und Sportshort setzte sich hektisch unterhalb der Damen. Diese zückten gleich eine Flasche Körperöl und tröpfelten sie auf die bereits nassgeschwitzte Haut. In animierenden Bewegungen verschoben sie die Körperfeuchte auf den Gliedmaßen. Der Alte streckte seine Hand aus um auch einen Schwuppser Öl zu bekommen. Den verteilte er dann so heftig klatschend und reibend auf seinem Oberkörper, dass es nur so spritzte.
Der Junge strich sich hektisch die Innenseiten seiner Oberschenkel entlang, die unruhig wippten. Er begann, sich mit dem brünetten Tiger zu unterhalten. Sein Kopf zeigte gen Privatjakuzzi. Die Brünette schnappte ihr Handtuch, wickelte es sich umständlich um den grazilen Körper und verschwand. Als er wenige Minuten später hinterherstieg, schloss ich die unwirkliche Sammlung von Indizien und erkannte: Hier geht es um Honey. Oder Money. Oder beides.

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2 Kommentare zu “Wie ich in eine kosovarische Pornosauna geriet

  1. verstehversucher sagt:

    Na, da hat sich doch die Wolke noch bezahlt gemacht. Jetzt kannst Du die Woche entweder als „höhere Gewawlt“ ODER als „Weiterbildung“ abrechnen.
    Egal, wie! Der Himmel hat Dich passieren lassen, Du bist heil gelandet und die zusätzlichen Erlebnisse haben nicht nur die Leber sondern auch unsere Lesewut befriedigt.
    Danke UND “ auf zu neuen Taten “ ! ;-))

  2. Andreas sagt:

    Immer wieder kannst du so herrlich zum miterleben schreiben. Danke danke und alles Gute!

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